Christen sind von der wachsenden religiösen Intoleranz in Indien betroffen. Besonders die Armen unter ihnen bekommen das zu spüren: Dalits und Stammesangehörige. Doch gerade sie entdecken das Christentum als Religion, die ihnen einen Weg aus ihrer Isolation in der Gesellschaft weist und ihnen hilft, ihre eigene Würde als Mensch zu entdecken.

Was es bedeutet, als Dalit zu leben

Der Begriff Dalit bezeichnete lange Zeit Menschen, die als „unberührbar“ betrachtet wurden. Er bedeutet „zerstört“ oder „unterdrückt“. Dalits leben auf der untersten Stufe des rigiden sozialen Systems in Indien, das als Kastenwesen bekannt ist. Es ist in dörflichen Regionen noch tief verwurzelt.

Die meisten Christen im Nordosten Indiens – überwiegend Dalits – leben unter erbärmlichen Zuständen. Als besitzlose Schuldknechte verdienen sie gerade einmal so viel, wie es zum Überleben reicht. Wenn sie sich bei ihren Mietern und Arbeitgebern verschulden, werden sie praktisch zu Sklaven.

Dalits sind so gering angesehen in der sozialen Hierarchie, dass sie aus der Gesellschaft weitgehend ausgeschlossen sind.  Höhere Kastenmitglieder erwarten von Dalits, niedrige und entwürdigende Arbeiten zu verrichten, etwa Müll oder tote Tiere zu beseitigen. 240 Millionen Inder sind Dalits – das ist etwa ein Fünftel der indischen Bevölkerung. Besonders Frauen werden diskriminiert. Sie haben keine Stimme bei Entscheidungen, die sie persönlich betreffen. Sie sind abhängig von ihren Vätern, Ehemännern und Söhnen.

Die indische Verfassung verweist auf das Prinzip der Gleichheit und verbietet Diskriminierung bei der Arbeit und Bildung. Allerdings ist die Diskriminierung durch das Kastenwesen in Indien noch weit verbreitet. Dalits erleben Diskriminierung im Alltag, auch Gewalt und Missbrauch durch höhere Kastenmitglieder. Die meisten Schuldknechte sind Dalits. Vor allem Dalit-Frauen und -Kinder sind besonders gefährdet von sexuellem Missbrauch und Prostitution.

Was passiert, wenn man ein Christ wird

Von den 29 Millionen Christen in Indien sind etwa zwei Drittel Dalits. Für die Dalits, die seit Jahrhunderten in ihrem alltäglichen Leben gedemütigt werden, bedeutet die christliche Botschaft Befreiung. Es ist für sie eine unglaubliche Erleichterung zu erfahren, dass es einen Gott gibt, der wie sie gelitten hat und besonders arme Menschen zu seiner Gemeinschaft als Brüder und Schwestern in Christus einlädt. Wenn Dalits sich für das Christentum entscheiden, sind sie neuen Diskriminierungen ausgesetzt..

Sie verlieren zum Beispiel offizielle Ansprüche auf staatliche Unterstützung. Sie leben weit unter der Armutsgrenze, ausgegrenzt am Rand des Dorfes in Strohhütten, scharf getrennt von den Häusern der höheren Kastenangehörigen. Sie dürfen keinen Tempel mehr betreten, nicht mehr von öffentlichen Brunnen trinken und sind sogar vom Schulbesuch ausgeschlossen. „Es ist unsere Verantwortung als Kirche, uns um diese Menschen zu kümmern“, sagt eine Ordensschwester, die im Norden Indiens mit Dalit-Frauen arbeitet. „In christlichen Gemeinschaften ändert sich ihr Blick auf ihr eigenes Leben, auf ihren Alltag und auf ihre Umgebung. Die Dalits erleben sich nicht mehr als Ausgestoßene, sondern als Teil  einer kirchlichen Gemeinschaft, die ihnen Rückhalt gibt.“

Jedoch erleben die Dalits als Christen weitere Diskriminierungen und auch Gewalt. Denn, Indien, dessen Bevölkerung Spiritualität im Allgemeinen respektiert, wird derzeit von einer extremischen Welle erschüttert: Nationalistischen Gruppierungen verweigern Christen und anderen religiösen Minderheiten das Recht, ihren Glauben zu leben und zu praktizieren

Jedoch erleben die Dalits als Christen weitere Diskriminierungen und auch Gewalt. Denn Indien, dessen Bevölkerung Spiritualität im Allgemeinen respektiert, wird derzeit von einer extremistischen Welle erschüttert: Nationalistische Gruppierungen verweigern Christen und anderen religiösen Minderheiten das Recht, ihren Glauben zu leben und zu praktizieren.

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